Theologie und Sendung

Lyrik

In dieser Abteilung werden Gedichte, Gedichtsammlungen, Werkporträts, Überblicksbeiträge etc. vorgestellt, die sich auf die deutsche Gegenwartsliteratur beziehen und einen direkten Bezug zu Religion aufweisen.

 

 

Arno Dähling:

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ATME EIN STÜCK EWIGKEIT

Atme ein Stück Ewigkeit!
Halte inne! Nimm dir Zeit...
...für die Wunder dieser Welt!
Sieh die Blumen auf dem Feld!
Sie bezahlen keinen Schneider
und tragen doch die schönsten Kleider!

Atme ein Stück Ewigkeit!
Halte inne! Nimm dir Zeit...
...für dich selbst! Sei gut zu dir!
Lebe jetzt und lebe hier!
Lass dich nicht gefangen nehmen
von all den Sorgen und Problemen!        

Atme ein Stück Ewigkeit!
Halte inne! Nimm dir Zeit...
...für die Menschen um dich her!
Sei sensibel, bleibe fair!
Mit Geduld und viel Vertrauen
versuch’ am Frieden mit zu bauen!

Atme ein Stück Ewigkeit!
Halte inne! Nimm dir Zeit!
Einer ist, der dich versteht!
Er erwidert dein Gebet!
Seine Güte und sein Segen
begleiten dich auf deinen Wegen.


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DER BARBARAZWEIG

Ein echtes, kleines Wunder trägt
der dürre Kirschzweig unscheinbar
in seiner Knospe angelegt.
Noch nimmt das Auge es nicht wahr.

Nur angedeutet bleibt bis jetzt,
was künftig sich ereignen soll,
und ist doch schon ins Werk gesetzt,
verborgen und geheimnisvoll.

Wir stehen staunend, wenn sich bald
die helle Blüte öffnen wird,
wenn uns Maria dergestalt
zur heil‘gen Nacht ihr Kind gebiert.


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VORZEICHEN

Die Hirten sehn das neugeborne Kind
in einer kargen Futterkrippe liegen.
Als Ort, an dem sein Lebenslauf beginnt,
muss ihm ein Unterschlupf, ein Stall, genügen.

Bereits sehr früh sind ihm Entbehrung, Not,
des Erdendaseins Lasten, aufgegeben.
Es wird geringgeschätzt, verfolgt, bedroht,
muss Angst und Heimatlosigkeit erleben.

Bei seinem Kommen offenbart sich schon,
wovon die Schriften weit im Voraus künden:
Wir werden den Messias, Gottes Sohn,
vom ersten Tag an auf dem Kreuzweg finden.

 
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NARZISSEN

Nur eine einzge Zwiebel brachte
den ersten gelben Stern hervor.
Wo sie allein den Anfang machte,
blüht heute schon ein ganzer Chor.

Narzissen sind es, Osterglocken.
Sie läuten fröhlich durch den Park.
Am Fuß der Bäume ein Frohlocken,
ein helles Jauchzen, schön und stark.

Es soll, es muss jetzt Ostern werden!
Wozu denn sonst das Blumenmeer?!
Das Leben, überall auf Erden,
erneuert sich vom Ursprung her.


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DA MISCHT SICH EINER EIN

Da mischt sich einer ein
in unser menschliches Leben,
bindet, gibt sich hinein,
um sich mit uns zu verweben.

Er geht in unsrem Kleid
durch unsre staubigen Straßen,
sieht und trägt unser Leid,
verzehrt sich über die Maßen.

Geschunden und gequält
will er sich völlig verschenken,
unsre heillose Welt
mit seiner Liebe durchtränken.

Im Tod wird er zu Brot,
zu Wein aus irdischen Trauben.
Er ist Mensch, er ist Gott,
ist Speise, Nahrung im Glauben.


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DIE FÜLLE

Ich bleibe still gesammelt sitzen,
so weit wie möglich unbewegt.
Das tut mit gut und wird mir nützen,
dass alle Ungeduld sich legt.

Ich spüre meinen Leib, die Sinne,
wie jede Faser sich entspannt,
wie ich an inn'rer Kraft gewinne,
an Halt, an Festigkeit und Stand.

Mein Augenmerk ist ausgerichtet
auf jene unsichtbare Welt,
wo man die Dinge neu gewichtet,
wo sich erweist, was wirklich zählt.

Viel Schönes, in vergangnen Jahren,
hat mich bereichert, mich erfreut.
Auch Tage, die eher dunkel waren,
bedeuten nicht verlorne Zeit.

Ruhig schlägt mein Herz, und ich darf hoffen,
dass mich der Himmel nicht vergisst.
Mir stehen alle Türen offen
dort, wo des Lebens Fülle ist.


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DAS LICHT

Um an Tiefe zu gewinnen,
und ganz konzentriert zu sein,
spüre ich bewusst nach Innen.
Langsam kehrt die Ruhe ein.

Viele Sorgen und Probleme,
die das Leben mir auflädt,
lassen mich nicht frei. Ich nehme
sie hinein in mein Gebet.

Bald bin ich dort angekommen,
wo der Trost, die Gnade, wohnt.
Lasten werden abgenommen,
Großmut und Geduld belohnt.

Alles Drückende und Schwere,
es verliert hier sein Gewicht.
In das Dunkel, meine Leere,
strömt ein warmes, helles Licht.

Auch die Angst, versagt zu haben,
bleibt weit hinter mir zurück.
Schenkt der Himmel seine Gaben,
fürchte ich nicht um mein Glück.


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DAS SONNENLICHT

Das Sonnenlicht vertreibt die Nacht.
Der Tag, das Spiel, beginnt.
Wer sich jetzt an die Arbeit macht,
kommt vorwärts und gewinnt.

Ich spiele mit, so gut ich kann.
Ich setze vieles ein.
Die Lust am Leben spornt mich an.
Ich will erfolgreich sein.

Mein Glück erschöpft sich aber nicht
in Leistung oder Geld!
Die Sonne, sie verschenkt ihr Licht,
erwärmt die ganze Welt!

Den neuen Tag hat Gott gemacht!
Sein Wille soll geschehn!
Was mir der Himmel zugedacht,
will ich als Glück verstehn.


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DER TAG GEHT ZU ENDE

Der Tag geht zu Ende.
Genug für heute.
In meinen Kämpfen, meinem Bemühn,
selbst dann, wenn mir manches vergeblich schien,
warst du, Gott, mir nahe,
warst du mir
zur Seite.

Ich suche Entspannung,
ein wenig Ruhe,
damit mein Leib sich regeneriert.
Ich spüre: Ich werde von dir geführt.
Du lenkst meine Schritte,
was immer
ich tue.

Ich atme im Rhythmus
der tiefen Stille.
Ein großer Friede senkt sich herab.
Verzagtheit und Aufregung klingen ab.
In dir, Gott, ist Leben
und Segen
in Fülle.


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WASSERMUSIK

Aus der Uferböschung springen
unter muntren Melodien,
schnelle, silberhelle Bäche
in den See. Gemächlich ziehen
sanfte Wellen ähnlich Ringen
über dessen Oberfläche.

Die lebendige Bewegung,
alles Sprudeln, alles Singen,
jedes Rauschen muss verklingen,
jeder Rhythmus, jede Regung
kommt zur Ruhe. Alles Fließen
muss sich in den See ergießen.

Wasser, die den Fels bezwangen,
dichten, dunklen Wald durchdrangen,
murmelnd ihre Psalmen sangen,
werden endlich aufgefangen.
Und der See in seinen klaren
Tiefen darf ihr Lied bewahren.


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ICH BRAUCHE LIEDER

Ich brauche Lieder, um sie festzuhalten,
die Freude, die mir oft so schnell entweicht,
damit sie Zeit hat, Flügel zu entfalten,
und ihre frische Farbe nicht verbleicht.

Ich brauche Lieder, die mir Hoffnung spenden,
die Sternen gleich am Himmel hell und klar
mir helfen, Wege glücklich zu vollenden,
mich freundschaftlich begleiten, Jahr für Jahr.


(Nähere Informationen zu Autor und Buchpublikationen:

www.arnod.de)

 

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... ist ein Internet-Angebot der Deutschen Bibelgesellschaft in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl von Prof. Dr. Georg Langenhorst, Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Augsburg.